Interview:
Neues Arbeiten in den Bankenalltag integrieren

Wie setzt man Neues Arbeiten eigentlich in einer Genossenschaftsbank mit Filialnetz um?

03.03.2023

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Cathrine Niermann Head of Strategy & Concept brand+content communication
Cathrine Niermann

Head of Strategy and Concept
Cathrine.Niermann@cbe-digiden.de

Wir haben mit Sascha Grage gesprochen*, Senior-Vorstandsreferent bei der Berliner Volksbank. Seit 2021 leitet er das Projekt „VREI_raum“, um Neues Arbeiten noch mehr in den Bankenalltag zu integrieren und in dem rund 25 Kolleg:innen aus fast allen Bereichen und unterschiedlichen Hierarchiestufen der Bank zusammenarbeiten.

Warum habt Ihr euch entschieden, zum Thema Neues Arbeiten ein bereichs- und hierarchieübergreifendes Projekt ins Leben zu rufen?

Die Transformation der Arbeitswelt hat seit Corona eine unglaubliche Geschwindigkeit aufgenommen. Wir wollten die Learnings aus der Zeit der Pandemie professionalisieren, bankenweite Standards setzen und einen iterativen Change-Prozess einleiten. Mit unserem Projekt möchten wir dazu beitragen, die Veränderungsfähigkeit und -bereitschaft in der Belegschaft zu unterstützen.

Womit beschäftigt Ihr Euch konkret?

Neues Arbeiten ist ein komplexes Thema, ein großer, bunter Blumenstrauß, für den wir zunächst einmal Aufmerksamkeit schaffen möchten. Wir haben das Thema für uns in drei wesentliche Themengebiete strukturiert:

  • Fähigkeiten im Sinne von Veränderungsfähigkeit und Methodenkompetenz
  • Haltung und Führung im Sinne von Veränderungsbereitschaft und einem agileren Miteinander, das das Potential der Einzelnen fördert
  • Ankommen: Damit ist das schnelle Einleben in unsere neue Unternehmenszentrale gemeint.

Es gibt rund fünfzig Standorte unserer Bank in Berlin und Brandenburg, an denen wir unsere Kund:innen bereits ein einer modernen Arbeitswelt beraten. Von den unterschiedlichen Erfahrungen, die es dort mit dem Thema Neues Arbeiten gibt, sollen alle in der Bank profitieren. 770 Kolleg:innen ziehen demnächst in unsere neue Unternehmenszentrale Quartier Volksbank (QVB). Wir möchten sie optimal auf die neue Arbeitswelt vorbereiten und alle anderen für #UnserQVB begeistern.

Ihr habt Euer Projekt VREI_raum genannt. Ist dieser Name Programm?

Ja, in zweierlei Hinsicht: Veränderung hat immer etwas mit Ausprobieren, Wirken und Zulassen zu tun. Diesen Freiraum wollen wir in der Bank mit unserem Projekt geben. Weil wir eine VR-Bank (Volks- und Raiffeisenbank) sind, heißt unser Projekt sprachlich-individuell auch „VREI_raum“.

VREI_raum beschreibt aber auch treffend den Mehrwert, den Neues Arbeiten mit sich bringt. Wir gehen selbstständiger an unsere Aufgaben heran und können unsere Kompetenzen besser einbringen, um auf gute Lösungen zu kommen. Wir sind bei der Erledigung unserer Arbeit flexibler und können unseren Arbeitsort aktivitätsorientiert wählen. Das fordert uns alle heraus: Führungskräfte, Teams, jede und jeden Einzelne(n) im Arbeitsprozess. Aber wir bekommen auch etwas zurück: größere Erfüllung bei dem, was wir tun – und wir bleiben gesünder. Diese Vorteile sollten für jede und jeden von uns deutlich werden.

Auf welche Erfolge könnt Ihr nach rund einem Jahr Laufzeit zurückblicken?

Zunächst einmal haben wir dafür gesorgt, dass fast alle Kolleg:innen sich mit dem Thema auseinandersetzen. Jeder in seiner Geschwindigkeit und mit dem, was für seine Rolle und Funktion wichtig ist. Was Neues Arbeiten speziell für die Berliner Volksbank bedeutet, das haben wir in unserem sogenannten „VREI_raum Blick“ zusammengefasst, einer Art Reflexionsbasis, in die sich jeder verorten und dabei herausfinden kann, welche Chancen Neues Arbeiten für ihn oder sie individuell mit sich bringt. Wir haben darüber hinaus Seminare für Führungskräfte angeboten, um diese beim hybriden Führen zu unterstützen. Mit neuen internen Kommunikationsformaten wie „VREI_raum-TV“ haben wir eine andere Form des internen Austauschs ausprobiert und dabei alle eingebunden – vom Vorstand über die Bereichsleitung bis zum Azubi. Mit unserer Lernwerkstatt in unserem Bank-Wiki wollen wir eine kollaborative Lernkultur anstoßen, die jede:r  weiterentwickeln kann. Denn Neues Arbeiten lebt davon, dass möglichst alle mitmachen.

Viele Unternehmen befürchten, dass Neues Arbeiten zu Lasten des Wir-Gefühls geht und die Unterschiede vertieft zwischen denjenigen, die von überall arbeiten können und denen, die an einen Arbeitsplatz gebunden sind, z. B. in der Produktion oder in eurem Fall in der Filiale. Wie erlebt Ihr das und wie geht Ihr damit um?

Zunächst einmal gilt: die Mischung macht´s. Wir haben aktuell eine Betriebsvereinbarung, die es sehr vielen Kolleg:innen – auch im Vertrieb – ermöglicht, bis zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit mobil zu arbeiten. Dabei hilft uns, dass wir mit einer Omnikanalberatung, z. B. mit der Videoberatung, einen neuen Kontaktpunkt nutzen. Wir glauben, dass eine attraktive Arbeitswelt eine Sog-Wirkung entfaltet. Unsere neue Unternehmenszentrale steht deshalb zukünftig allen in der Bank offen. Nicht nur als Arbeitsplatz, sondern vor allem auch als #UnserQVB: als Ort des Austauschs untereinander und für die persönliche Weiterentwicklung.

Was würdest Du anderen Unternehmen bezüglich Neuem Arbeiten mit auf den Weg geben wollen?

  • Bindet unbedingt alle Mitarbeiter:innen mit in euren Change-Plan ein.
  • Kommuniziert klar und wertschätzend.
  • Seid mutig – und geht dabei unkonventionelle Wege.
  • Habt Spaß – denn das macht gute Zusammenarbeit aus!

*Das Gespräch führte Cathrine Niermann.