Die Unsichtbarkeitsfalle Warum interne Führungspräsenz unverzichtbar ist

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In den letzten Jahren prägten flache Hierarchien das Verständnis moderner Organisationen. Führungskräfte haben gelernt, ihren Teams Freiräume zu geben und sie selbstorganisiert arbeiten zu lassen. Doch zunehmend wird dies mit Führung selbst verwechselt und die Verantwortlichen treten in den Hintergrund. Gerade in unruhigen Zeiten wünschen sich Mitarbeitende jedoch weniger Autonomie und mehr Orientierung. “Unsichtbare“ Führung im Sinne einer Führung, die vom Team nicht wahrgenommen wird, ist deshalb eine vertane Chance.

Eine aktuelle Studie von Next Work Innovation & Netzwert Partner (2024) zeigt: In Krisenzeiten sind Klarheit, Regeln und Strukturen gefragt. Dies ist nicht zu verwechseln mit autoritärer Führung, sondern damit sind verlässliche Leitplanken gemeint. Viele Führungskräfte halten sich jedoch zurück. Sie übersehen dabei einen entscheidenden Punkt: Was in stabilen Zeiten als Vertrauen in die Selbstorganisation funktionierte, wird in unsicheren Phasen als Orientierungslosigkeit wahrgenommen.

Das Problem startet häufig auf der obersten Führungsebene. Dort wird oft vergessen, dass auch Führungskräfte im mittleren Management Führung und klare Leitplanken brauchen: Das C-Level verlässt sich darauf, dass “die zweite Ebene” schon weiß, was zu tun ist. Doch bleibt die strategische Orientierung vage, entsteht ein Vakuum, das sich durch die Organisation zieht. Gerade die mittlere Führungsebene benötigt eine konkrete operative Orientierung: Wie sollen sie schwierige Entscheidungen den Teams erklären? Welche Botschaften sind intern kommunizierbar? Führungskräfte, die selbst keine klare Richtung erhalten, können diese auch nicht an ihre Teams weitergeben.

Vertrauen entsteht in der direkten Führung

Die Edelman Trust@Work-Studie (2024) verdeutlicht erneut, dass Arbeitgeber im Vergleich zu Politik, NGOs und Medien als die vertrauenswürdigste Institution wahrgenommen werden. Abhängig vom Hierarchielevel ist auch das Vertrauen in direkte Vorgesetzt nach wie vor relevant. Hier liegt ein großes Potenzial, das jedoch ungenutzt bleibt, wenn Führungskräfte “unsichtbar” bleiben. Ihre fehlende Präsenz führt mittelfristig zu Vertrauensverlust. Abwesenheit wird selten als Vertrauen in die Selbstorganisation gedeutet, sondern als Schwäche oder mangelndes Commitment. Langfristig leidet die Teamleistung, denn Mitarbeitende investieren Energie in Abstimmungen und konkurrierende Interpretationen, Entscheidungen verzögern sich, Ressourcen werden ineffizient eingesetzt.

Führung als Orientierungskompass

Kernaufgabe moderner Führung ist es, Orientierung zu vermitteln, auch wenn man selbst nicht genau weiß, wo es lang geht: In einer Zeit zunehmender Unsicherheit und gesellschaftlicher Polarisierung müssen Führungskräfte klare Botschaften definieren und diese konsistent über alle Kanäle hinweg kommunizieren. Dabei geht es nicht nur um das “Was”, sondern vor allem um das “Warum” – Entwicklungen müssen eingeordnet und ihre Relevanz für das Unternehmen und die Mitarbeitenden verständlich erklärt werden. Gleichzeitig ist es entscheidend, Nähe zu den Teams herzustellen und im kontinuierlichen Austausch zu bleiben, um Stimmungen aufzufangen und Bedenken ernst zu nehmen. Besonders bei schwierigen Entscheidungen zeigt sich die Qualität der Führung: Transparente Begründungen schaffen Vertrauen und Verständnis, auch wenn nicht alle Entscheidungen auf Zustimmung stoßen. So wird Führung zum Kompass in stürmischen Zeiten.

Weniger Verwaltung, mehr echte Führung: praktische Schritte

Präsenz zeigen, im Austausch bleiben und Nähe herstellen ist einfacher als gedacht – es kostet Zeit, aber zahlt sich in Vertrauen aus. Die Interne Kommunikation wird dabei zur strategischen Beraterin: mit passgenauen Formaten, Guidelines und Kernbotschaften für jede Führungsebene.

C-Level: strategisch sichtbar sein

  • Regelmäßige Townhalls etablieren – monatliche Orientierung statt sporadischer Großereignisse
  • Informelle Gespräche mit Führungskräften aller Ebenen pflegen
  • Klare Erwartungen an das Führungsteam kommunizieren
  • Auch bei unangenehmen Entscheidungen transparent bleiben

Mittleres Management: Übersetzen und verstärken

  • Präsenz vor Ort zeigen – “Management by Walking Around” statt E-Mail-Flut
  • In kritischen Phasen häufiger kommunizieren und öfter ansprechbar sein
  • Kommunikationsrituale schaffen: wöchentliche Updates, kurze Stand-ups, feste Office-Tage
  • Strategische Botschaften in operative Realität übersetzen
  • Bei widersprüchlichen Informationen und unklaren Leitplanken beim C-Level nachbohren und Klarheit einfordern statt schweigend weiterleiten

Die Devise lautet: Weniger Verwaltung, mehr echte Führung.

Bei der Transformation von “unsichtbarer” zu präsenter Führung sind eine externe Perspektive sowie eine strukturierte Herangehensweise hilfreich. Sie möchten Ihre Führungskommunikation systematisch weiterentwickeln? Wir begleiten Sie gerne bei der Konzeption wirksamer Formate und Botschaften.

Kontakt

Anja Krutzke Head of change+internal communication change+internal communication
Anja Krutzke

Head of change+internal communication
Anja.Krutzke@cbe-digiden.de