Digital Experts 10 Fragen an Christian Klar zu Barrierefreiheit

CBE DIGIDEN SoMe ZehnFragen Querformat 6

Mit dem Format „Digital Experts – Zehn Fragen an …“ geben wir Einblicke in Themen, die unsere Arbeit im Bereich der digitalen Kommunikation prägen – praxisnah, meinungsstark und zukunftsorientiert.

Diesmal mit Christian Klar, Head of Digital Communications bei CBE DIGIDEN.

In 10 Fragen spricht er über den aktuellen Stellenwert von Barrierefreiheit in Digitalprojekten, über typische Missverständnisse – und darüber, warum gesetzliche Anforderungen allein nicht ausreichen, um echte Inklusion zu schaffen.

Christian erklärt, worauf es bei barrierefreien Projekten wirklich ankommt, was Kundinnen und Kunden oft übersehen – und warum nachhaltige Lösungen nur gemeinsam entstehen können.

Kontakt

Christian Klar Head of digital communication
Christian Klar

Head of digital communication
Christian.Klar@cbe-digiden.de

(1) Kannst du dich kurz vorstellen und deinen Bezug zum Team digital communications erklären?

Ich bin Christian Klar – seit 2017 bei CBE DIGIDEN und aktuell Head of Digital Communications. Ich leite das Team Digital Communications gemeinsam mit Daniel Wetzel und bin dabei verantwortlich für die effiziente Arbeitsorganisation in unseren agilen Web-Entwicklungsprozessen, sowie die dazu eingesetzten Tools und Services. Ich habe außerdem das Thema Suchmaschinenoptimierung und Barrierefreiheit als Schwerpunkt.

(2) Welche Rolle spielt das Thema digitale Barrierefreiheit in euren Kundenprojekten aktuell?

Das Thema Barrierefreiheit in der Web-Entwicklung ist über die letzten Jahre immer bedeutender geworden und es gibt viele Nachfragen von Kundenseite dazu. Die gesetzlichen Vorgaben sind zwar einfach formuliert – in den Details ist die Umsetzung aber sehr unübersichtlich und komplex. Eine Website muss in insgesamt 78 Einzelkriterien auf Barrierefreiheit getestet werden, von denen viele nicht sofort zu verstehen sind. Viele Kriterien betreffen nicht die Programmierung, sondern die Pflege der Inhalte. Um dauerhaft barrierefreie Webangebote zu haben, muss daher auch die Redaktion auf Kundenseite geschult werden.

(3) Wie erklärst du Kunden, warum Barrierefreiheit mehr ist als gesetzliche Pflicht?

In den Kundengesprächen besprechen wir zunächst immer die grundsätzliche Intention des Gesetzes: Die niederschwellige, barrierefreie Verfügbarkeit der Inhalte für alle Nutzergruppen. Es ist dabei wichtig zu verstehen, dass ein barrierefreies Web-Angebot grundsätzlich auch zu einem besseren Webangebot für alle Zielgruppen wird – und zu einer deutlichen Verbesserung bei der Sichtbarkeit für Suchmaschinen und LLM-basierten Suchen führt.

(4) Was sind aus Agenturperspektive die häufigsten Missverständnisse oder falschen Erwartungen beim Thema Barrierefreiheit?

Es besteht in der Regel die Erwartung, dass Barrierefreiheit ein Thema für das Entwicklungsteam ist und durch den Auftrag an uns als Dienstleister schnell gelöst werden kann – ohne Aufwand für den Auftraggeber. Bei Barrierefreiheit geht es aber vor allem um Inhalte und ihre Erreichbarkeit – und viele Themen lassen sich nicht ohne Mitarbeit von Kundenseite lösen. Ein häufiges Problem ist zum Beispiel, dass gestaltete Drucksachen als nicht barrierefreie PDF-Dateien zum Download angeboten werden. Diese müssen entweder aufwändig in barrierefreien PDFs umgewandelt werden – oder besser als generische Web-Inhalte neu aufgebaut werden. Die Lösung lässt sich in jedem Fall nur gemeinsam mit dem Kunden finden.

(5) Worauf kommt es an, wenn digitale Barrierefreiheit ganzheitlich gedacht werden soll – über Technik hinaus?

Hier hilft es, wenn man sich mit den übergeordneten vier Prinzipien und vor Allem den darunter angesiedelten 13 Richtlinien der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) beschäftigt. Diese formulieren klar verständliche Anforderungen, die unabhängig von der konkreten Umsetzung grundsätzliche Vorgaben formulieren.

(6) An welchen Projekten oder Themen rund um Barrierefreiheit arbeitest du/ihr aktuell?

Wir haben aktuell mehrere Websites von öffentlichen Auftraggebern, für die es ein externes Barrierefreiheits-Audit geben wird, die wir entsprechend für diese Prüfung “fit” machen.

(7) Welche Bereiche werden von Kund*innen oft übersehen, wenn es um barrierefreie Gestaltung und Kommunikation geht?

Übersehen wird oft, wie viele Themen unabhängig von der technischen Umsetzung direkt durch die Web-Redaktion im CMS bereits bearbeitet werden können. Die häufigsten offenen Themen sind die Pflege von Alt-Texten bei Bildern und der Umgang mit nicht-barrierefreien PDF-Dateien. Wie oben schon erwähnt, sind das Fragen, die jederzeit redaktionell gelöst werden können.

(8) Was hilft bei der Umsetzung am meisten – klare Guidelines, Testing, Zusammenarbeit mit Betroffenen?

Ich denke jeder Website-Verantwortliche sollte gemeinsam mit seiner Digitalagentur die anstehenden Aufgabenpakete definieren und eine klare Aufgabenteilung vornehmen. Dabei sollten alle Beteiligten das gleiche Verständnis der Aufgaben und Ziele haben und verstehen, wie groß der Aufwand in der Umsetzung ist.

(9) Wie verändert sich der Anspruch an barrierefreie Lösungen durch aktuelle Entwicklungen wie KI oder neue UX-Standards?

Die BITV-Vorgaben sind bewusst so formuliert, dass sie unabhängig von technischen Veränderungen gültig bleiben. Für viele Einzelkriterien gibt es auch mehrere alternative Umsetzungs-Optionen ich rechne entsprechend nicht mit kurzfristigen Veränderungen bei den Vorgaben für barrierefreie Webanwendungen. Es kann sein, dass sich KI-basierte Lösungen zu einem zusätzlichen mächtigen Hilfsmittel für den Zugang zu barrierefreien Websites entwickeln.

(10) Was würdest du Unternehmen empfehlen, die das Thema jetzt angehen müssen – aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen?

Der erste Schritt ist immer eine unverbindliche Anfrage bei der eigenen Agentur oder einem mit digitaler Barrierefreiheit gut vertrauten Dienstleister wie uns. Wir erarbeiten dann eine erste Evaluation, welche Aufgabenpakete bearbeitet werden müssen und welche Kosten auf Agenturseite dafür entstehen können bzw. welche Aufgaben der Kunde selber übernehmen kann.