DEI bleibt eine Top-Priorität Warum Alstom auch in stürmischen Zeiten an seinen Werten festhält
Programme für Diversität, Geschlechtervielfalt und Inklusion stehen unter Druck. Während manche Unternehmen ihre DEI-Aktivitäten (DEI steht für Diversity, Equity and Inclusion) zurückfahren, geht Alstom bewusst den anderen Weg – in Zeiten zunehmender Polarisierung eine mutige Entscheidung. Wir haben mit Christina Marie Rautenberg, Internal Communication Director & DEI Champion für die Region Central & Northern Europe bei Alstom, über Haltung, Pragmatismus und Standhaftigkeit gesprochen.
War die Entscheidung, an euren DEI-Werten festzuhalten, intern umstritten oder stand das nicht zur Debatte?
Das stand nie zur Debatte. Wir sind ein globales Unternehmen mit 86.000 Mitarbeitenden aus 184 Nationen in 63 Ländern. Gerade die unterschiedlichen Erfahrungen und Identitäten unserer Leute machen uns stark. Wir wollen einen Arbeitsplatz, an dem sich Menschen aller Hintergründe willkommen fühlen – und dafür ist DEI unverzichtbar.
Habt ihr eure Kommunikationsstrategie in den letzten Monaten angepasst? Redet ihr bewusst weniger über das Thema?
Im Gegenteil – überall dort, wo DEI im Einklang mit lokalen Gesetzen steht, kommunizieren wir ganz bewusst und offensiv. In den USA haben wir natürlich einen Aktionsplan entwickelt, damit unsere Geschäftsbereiche alle geltenden Gesetze einhalten und trotzdem unsere Werte leben können. DEI bleibt eine Top-Priorität für unsere Unternehmenskultur. Wir haben zudem – ganz unabhängig von der derzeitigen Debatte – zu Beginn dieses Jahres unsere Policy für Diversity, Equity und Inclusion in aktualisierter Form herausgebracht. Sie bildet den Werte-Rahmen für die Zusammenarbeit in unserem Unternehmen.
Wie reagiert ihr auf Mitarbeitende, die eure DEI-Aktivitäten kritisch sehen?
Unser CEO Henri Poupart-Lafarge hat es auf den Punkt gebracht: „Die Art, wie wir unser Programm umsetzen, ist weder ideologisch noch politisch, sondern pragmatisch für unseren Unternehmenserfolg.“ McKinsey hat 2023 belegt, dass Unternehmen mit vielfältigen Führungsteams neun Prozent wahrscheinlicher ihre Konkurrenten übertreffen. Wir wollen als Unternehmen erfolgreich sein, und dafür brauchen wir Mitarbeitende, die sich bei uns wohlfühlen und mit ihren unterschiedlichen Perspektiven und Fähigkeiten gemeinsam das Beste schaffen.
Beobachtet ihr Kulturkämpfe am Arbeitsplatz?
Einzelne negative Bemerkungen und ablehnende Haltungen ja. Aber echte Kulturkämpfe haben wir noch nicht festgestellt. Unsere Aktionen zum World Cultural Diversity Day liefen gerade wieder sehr gut, und auch unser digitaler „Rainbow Train” zum Pride Month – bei dem alle sportlichen Aktivitäten in einer App registriert werden können, um unseren Rainbow Train um die Welt fahren zu lassen – motiviert jedes Jahr viele Kolleginnen und Kollegen zur Teilnahme. In einem großen Unternehmen kann es natürlich zu kulturellen Diskussionen kommen aber wenn wir im Sommer unsere Sessions zur DEI-Policy starten, werden wir sehen, wie wir diese bestmöglich auflösen. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, einfach am Thema dranzubleiben und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
Dein Tipp für andere Kommunikationsverantwortliche in ähnlichen Situationen?
Ein klarer Blick auf die Situation und das Ziel: Wir wollen ein Umfeld haben, in dem Mitarbeitende ihr Bestes geben können. An politischen Aufregern beteiligen wir uns nicht. Entgegengesetzte politische Lager zu versöhnen – das können wir in der Internen Kommunikation nicht leisten. Aber Arbeitgeber können Richtschnur sein und in stürmischen Zeiten klare Haltung zeigen, und dazu können wir die Führungsebene beraten. Vor allem aber können wir kommunizieren, worum es im Kern geht: um respektvolles Zusammenarbeiten. Wir wollen alle mit Respekt behandelt werden, damit wir uns wohlfühlen und wachsen können. Dem kann doch eigentlich niemand widersprechen, oder?